Die geographische Umgebung

Die Stadt Keszthely ist mit ihren fast 24.000 Einwohnern der am dichtesten besiedelte Ort am Plattensee und zudem sehr reich an Traditionen. Die Stadt stellt mit Recht die Forderung, sich "Hauptstadt des Plattensees" nennen zu dürfen. Die natürliche Umgebung des am Nordwestufer, am Fuß des Keszthelyer Gebirges gelegenen Ortes entwickelte sich im Laufe von mehr hundert millionen Jahren zu dem, was sie heute ist. Die Landschaft wurde im Laufe der Entwicklung viele Male vom Meer überschwemmt, so auch zu Beginn des geologischen Altentums sowie des Mittelalters. Die Ablagerungen des letzteren bildeten den sogenannten Dolomit, der auch den größten Teil des Keszthelyer Gebirges ausmacht, das sich dann später - vor ca. 2 Millionen Jahren - im Zeitalter des Pleistozän aus seiner Umgebung erhob. Dazwischen - in der mittleren Kleide und Miozän Epoche - glich die Landschaft einer Wüste, in der oberen Kreide Epoche verwandelte sich diese Wüste als Folge eines feuchteren Klimas in ein Sumpfgebiet. Im Pliozän, im dem Zeitraum vor 5,5 bis vor 1,8 Millionen Jahren, wurde unsere Landschaft zuerst vom Pannonischen Meer bedeckt, dessen glimmerartiger und schiefriger Sandstein Ablagerungen am westlichen Rand des Keszthelyer Gebirges zu finden ist. Am Ende der Epoche enstanden infolge der Vulkantätigkeit die Basaltberge, die das Bild des Nordufers heute bestimmen. Auf der Oberfläche des Keszthelyer Gebirges sind in Folge nord-süd gerichteten Erdbewegungen Risse entstanden, aus denen sich Täler herausformten, die diese Landschaft so abwechslungsreich gestalten. Früher bedeckten diesen Landstrich fast ausschließlich Wälder, aber die menschlichen Einwirkungen haben bedeutende Veränderungen nach sich gezogen. Auf den Hügeln und Hängen wird heute zum größten Teil Wein angebaut. Den Großteil des heutigen sprünglichen Baumbestandes wurde auf dem trockenen Dolomitboden die Schwarzföhre gepflanzt, die jedoch eine schädliche Wirkung auf die restliche Planzenwelt ausübt; ihr Bestand wird daher nicht mehr vergrößert.  
Die Plattensee ist im Vergleich zu seiner geographischen Umgebung eine sehr junge Erscheinung, die am Ende der letzten Eisenzeit, vor ca. 20.000 Jahren entstand. Heute hat er eine Fläche von 595 km2, die Wassermenge ist 1,8 km3 im Durchschnitt liegt das Wasserniveau 104,5 m über dem Meeresspiegel. Bis zum Jahre 1863 war die Höhe des Wasserstandes vom Klima abhängig. In seiner Anfangszeit, als der Wasserstand um einiges höher gewesen sein dürfte, könnte die Fläche des Plattensees auch 900-950 km2 betragen haben, im Mesolithikum jedoch - in dem Zeitraum vor ca. 12.000 bis vor 6.000 Jahren - dürfte der Wasserstand in Folge des warmen niederschlagslosen Klimas so stark zurückgegangen sein, daß aus dem See ein Sumpf mit Schilflandschaft entstand. In den späteren Epochen sind derartig starke Wasserstandsschwankungen nicht mehr nachzuweisen. Die archäologischen Daten weisen darauf hin, daß man in der ersten Hälfte der Römerzeit und in der Spätvölkerwanderungszeit von einem eher niederingen Wasserstand ausgehen kann, während man zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Folge eines wesentlich niederschlagsreicheren und kühleren Klimas eine Erhölung des Wasserstandes beobachten konnte. Zur Zeit der Türken, in der sogenannten europäischen "Kleineizeit", war der Wasserstand bedeutend höher als heute. Die erste militärische Aufzeichung aus dem Jahre 1783 weist auf eine Höhe von 108 m über dem Meersspiegel hin. In Folge der beginnenden Wasserregelung zu Beginn des 19. Jahrhunderts und als Folge einer langandauernden Trockenheit in der 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts war der Wasserstand um die Mitte des Jahrhunderts niedriger als heute. So war es möglich, daß man im Jahre 1839 am Ende der Landzunge von Fenékpuszta eine Brücke bauen konnte, die die Komitate Zala und Somogy verband. Im Interesse der Sicherheit der Südbahnlimie (1861), die für den Fremdenverkehr des Plattensees eine bedeutende Rolle spielt, wurde im Jahre 1863 die Sió-Schleuse fertiggestellt; seitdem ist die Höhe des Wasserstandes konstant. 

Die Stadt Keszthely und ihre Umgebung ist für menschliche Siedlungen hervorragend geeignet, weil das Klima wegen seiner Nähe zum Mittelmeer ausgeglichen ist, die Wälder reich an Wild sind, der Plattensee reich an Fischen, und die Erde fruchtbar und ergiebig ist. Zu betonen ist weiterhin, daß Fenékpuszta als eine der drei Übergangsstellen (Tihany, Fenékpuszta, Balatonhídvég) des Plattensees durch ihre Nähe zur Stadt eine wichtige Rolle für das gut funktionierende Handelsleben der in der Umgebung lebenden Menschen spielte. So ist es erklärlich, daß unser Gebiet ununterbrochen bewohnt war. 

 

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